22.Apr 2018

Der "Europäische Gedanke"


Kategorie: Aktionen
Erstellt von: Lichau

Polnische Gastschüler zu Besuch in Marsberg



Siebzehn Schülerinnen und Schüler des IX Liceums aus Poznań waren zusammen mit ihrer Deutschlehrerin Frau Grabowska und ihrem Deutschlehrer Herrn Sarnowski für eine Woche Gäste an der Realschule Marsberg.

Inhaltlicher Schwerpunkt war in diesem Jahr der "Europäische Gedanke", sprich das Ideal der europäischen Einheit, das von einigen Eliten schon zwischen den beiden Weltkriegen propagiert worden war und nach dem Zweiten Weltkrieg schnell weite Verbreitung fand. Tausende junger Menschen träumten damals von einem geeinten Europa und von einer vereinten, friedlichen Welt.


Von einer vereinten, vor allem aber friedlichen Welt sind wir leider noch weit entfernt. Aber in Europa hat sich seit dem Ende des 2. Weltkrieges vieles zum Guten verändert. Ein wichtiger Bestandteil der Europäischen Union ist die Reisefreiheit - hier zu erwähnen vor allem die weggefallenen Grenzkontrollen.

Wie aber bekommt man die Historie des "Europäischen Gedankens" in einer Woche sinnvoll unter? Dank der Unterstützung durch das Deutsch-Polnische Jugendwerk wurden sowohl historische Stätten (z.B. Verdun) als auch ein Zentrum der Europäischen Union (das Europaparlament in Straßburg) besucht und thematisch durch die Schüler erarbeitet.

Nach ihrer Ankunft in Deutschland verbrachten die polnischen Austauschschüler und -lehrer zunächst das Wochenende in ihren Gastfamilien.

Am Montag startete das Programm in der Schule mit einer Kennenlernrunde. Dazu mussten die Schüler in Partnerarbeit zunächst einmal auf Papierhänden sich vorstellen, ihre ersten Eindrücke von Deutschland und dem Wochenende aufschreiben und anschließend der Gruppe präsentieren.

Im Anschluss ging es im Bus zur Jugendherberge nach Bad Bergzabern an die südliche Weinstraße - dem zentralen Punkt für Ausflüge. Aufgrund der guten Wetterlage wurde nach dem Bezug der Zimmer eine Erkundungstour der Umgebung und Stadt durchgeführt, bevor es zum gemeinsamen Abendessen zurück in die Jugendherberge ging. Am Abend  bearbeiteten die Schülerinnen und Schüler in Partner- und Gruppenarbeit Arbeitsaufträge zum Ersten Weltkrieg und präsentierten sie anschließend.

Schwerpunkt bildete hierbei der "Stellungskrieg" und im speziellen "Die Schlacht von Verdun".

Nach einer kurzen Nacht, einem ausgiebigen Frühstück um 7 Uhr ging es direkt nach Verdun. Dort fand ab 11 Uhr eine 6-stündige, deutschsprachige Führung an diversen Wirkungsstätten und Gedenkstätten zum Ersten Weltkrieg statt.

Zunächst besuchte die Gruppe das Fort Vaux, eine von vielen Festungsanlagen rund um Verdun gelegen. Anschließend ging es weiter zu dem völlig zerstörten Dorf Fleury-devant Douaumont.

Von hier war es nur ein kurzer Abstecher zum Erinnerungsmuseum an den Ersten Weltkrieg.

Einen Abschluss fand der Ausflug an der Gedenkstätte Douaumont (Gedenkstätte mit Gebeinhaus und Soldatenfriedhof) wo u.a. ein kurzer Film über den Ersten Weltkrieg gezeigt wurde.

Am Dienstag ging es direkt weiter nach Straßburg. Dort hatten die Schüler zunächst die Möglichkeit für einen ausgiebigen Stadtbummel.

Danach wanderte die Gruppe bei strahlendem Sonnenschein zum ca. 3 km entfernt liegenden Europaparlament. Auf Anfrage erhielten die Teilnehmer des Austausches eine Einladung von der Europaabgeordneten Birgit Sippel. Nachdem die Gruppe im Gebäude von einer Praktikantin in Empfang genommen wurde ging es direkt zum zugeteilten Konferenzraum in dem uns zunächst Sylvia-Yvonne Kaufmann empfing, da Frau Sippel noch in einer aktuellen Sitzung verweilen musste.

Im Vorfeld einigte sich die Gruppe darauf alle Gespräche in englischer Sprache zu führen. So hatten alle Teilnehmer in etwa dieselben sprachlichen Voraussetzungen. Nach ca. einer halben Stunde kam Frau Sippel zur Gesprächsrunde hinzu, stellte sich kurz vor und erzählte auch von der aktuellen Sitzung, in der über den Skandal "Facebook/Cambrigde Analytica" gesprochen wurde. Sie machte den Schülern sehr deutlich, was mit ihren/unseren Daten, die wir in Sozialen Netzwerken preisgeben passiert bzw. passieren kann.

Die Schüler hatten zum Schluss die Möglichkeit Fragen zu stellen. Abschließend ging es zum offiziellen Pressefotoshooting und danach wieder zurück nach Marsberg.

Am vorletzten Tag bekamen die polnischen Gastschüler die Möglichkeit zum Besuch von 2 Unterrichtsstunden. Danach startete eine kurze Arbeitsphase in der die Schüler die Historie der Europäischen Union erarbeiten durften.

Der letzte Tag begann sportlich im Tennispark Diemeltal. Alle Teilnehmer hatten für eine Stunde die Möglichkeit sich im Tennis, Badminton oder Fußball (Indoor Soccer) auszuprobieren und nahmen dieses Angebot auch wahr. Zurück in der Schule galt es zunächst ein anonymes Feedback über den Austausch und die einzelnen Programmpunkte abzugeben bevor es gemeinsam zur Gestaltung der Aula für das Nachmittagsprogramm überging.

Am späten Nachmittag wurden Eltern, Geschwister und/oder Bekannte zum "Europamahl" in die Aula der Schule eingeladen.

Dort konnten sie sich über die Ergebnisse/Ausarbeitungen der Austauschwoche informieren. Nebenbei hatte jeder Teilnehmer eine europäische Spezialität zum Essen mitgebracht.

Nach einem gemütlichen Nachmittag nahmen wir gegen 22 Uhr Abschied von unseren Gästen bevor es für sie auf die 8-stündige Rückreise nach Polen ging.

Ein bisschen Wehmut lag in diesem Augenblick beim Leitungsteam vor. Das war nach 27 Jahren der letzte, von deutscher Seite (Realschule) aus organisierte Schüleraustausch mit dem IX Liceum in Poznań. Alles begann im Jahr 1991 und endet nun im Jahr 2018 mit dem fortschreitenden Auslauf der Realschule. Im September findet allerdings noch der Gegenbesuch in Polen statt - und wir sind gespannt, was uns erwarten wird.

Zeitungsartikel

Fotogalerie